Lernen Sie hier unsere aktuellen und ehemaligen gepanzerten Schützlinge kennen und erfahren mehr über die Gründe, weshalb sie zu uns kamen.
Vorab wichtig zu erwähnen ist, dass "Fundtiere" nicht mit anderen gegengeschlechtlichen Tieren gehalten werden dürfen. (Auflage der unteren Naturschutzbehörde) Hier geht es lediglich darum, dass meldepflichtige Tiere ohne Papiere sich nicht verpaaren.
Sofern Gruppenhaltung möglich, dürfen sie bei uns auch in Gruppen leben, jedoch fühlen sich nicht alle Tiere in Gruppen wohler.
Sobald ein Fundtier bei uns abgegeben wird, setzen wir die Schildkröte in "Quarantäne/Einzelhaltung". Das ist eine sehr wichtige Schutzmaßnahme, auch für den gesamten Bestand. So wird die Übertragung von Krankheiten und Parasiten verhindert, bis das Tier vollständig untersucht und getestet ist.
Insbesondere der Herpes Virus ist eine große Gefahr, denn dieser verläuft meist tödlich und ist nicht heilbar. Aber auch andere Erkrankungen und Parasiten, welche nicht unbedingt auf den ersten Blick ersichtlich sind, können dem gesamten Bestand gefährlich werden.
Unsere Quarantänegehege sind keineswegs "Übergangslösungen". Jedes ist voll ausgestattet und dafür ausgelegt, dem Tier ein endgültiges Zuhause zu bieten, um den Stress durch häufiges Umsetzen zu vermeiden. Jedes unserer Quarantänegehege verfügt über ein Frühbeet mit Technik, liebevoll gestaltetem Außenbereich mit Futter-, Versteckpflanzen, Höhlen, Klettermöglichkeiten und umfasst ca. 10 Quadratmeter.

Schildegard
Unseren ersten Beitrag widmen wir "Schildegard", eine 15 jährige griechische Landschildkröte.
Zu ihr gibt es nicht sehr viel zu erzählen.
Ihre Besitzer mussten umziehen und hatten im neuen Heim keine Möglichkeit der kleinen Maus weiterhin ein artgerechtes Leben zu ermöglichen.
Durch Zufall kamen wir in Kontakt und ich habe mich dazu entschlossen sie bei uns aufzunehmen.
Nach entsprechender Quarantäne und tierärztlichen Untersuchungen, Kot und Bluttests, durfte sie auch endlich raus in ihr neues, endgültiges zuhause. Dort hat sie sich ganz wunderbar eingelebt, ist stets neugierig, immer auf der Suche nach waghalsigen Klettermöglichkeiten und genießt ihr Dasein in der Eifel.
Nicht nur dass ihre Vorbesitzer mir ihr Tier anvertrauen, mit Schildegard kam auch eine Spende mit zu uns, mit der wir das Außengehege erweitern und ein tolles neues Frühbeet installieren konnten.
Jedes neue Tier erfordert auch mehr Platz, Versteck- und Futterpflanzen, sowie ,vor Allem zu Beginn, ein wachsames Auge.
Nicht jede Schildkröte fühlt sich in Gruppenhaltung wohl, erst recht wenn die Anzahl der Geschlechter unausgeglichen ist.
In diesem Fall ging und geht alles gut, wir hoffen dass es so bleibt.

Schildegard beim "Naschen"
Franklin
Bei unserem nächsten Fall geht es um Franklin, laut unseres Wissens ist sie 2009 geschlüpft.
Als sie ankam war klar, dass bei ihr für deutlich längere Zeit eine Einzelhaltung mit Intensivbetreuung notwendig sein wird.
Ihr Panzer war deutlich verformt, die Augen eingefallen und ihre Hinterbeine konnte sie kaum mehr nutzen. Die Beine schliffen bei Fortbewegung nur so hinterher.
Die erste Blutuntersuchung hat ergeben, dass sie starke Probleme mit Nieren und Leber hat, ebenso wurde Gicht festgestellt.
Nun wurde sie mehrmals täglich von uns gebadet, mit einigen Medikamenten versorgt und mit frischen, organschonenden Kräutern gefüttert.
Nach anfänglicher Besserung, verschlechterte sich ihr Zustand recht schnell.
Weitere Behandlungsversuche und das Zurate ziehen anderer fachkundiger Tierärzte, sowie erfahrener Auffangstationen führte alles zur gleichen Empfehlung: Euthanasie.
Franklin verweigerte das Futter und baute täglich weiter ab. Sie quälte sich. So stand schließlich unser Entschluss fest.
Am Tag ihrer Euthanasie durfte Franklin noch einmal ihre letzten Sonnenstrahlen am Waldrand genießen.
Vier Wochen Kampf, Fürsorge und schlafloser Nächte hatten wir hinter uns. Trotz dass wir ihr nicht mehr helfen konnten, bereuen wir keinen Tag und keine Sekunde, keinen Cent den wir in der Hoffnung investiert haben, Franklin noch eine möglichst schöne Zeit zu machen.
Auch der Tod das "Erlösen" sind Bestandteil des Tierschutz.
Nichts davon wird mit seiner Häufigkeit leichter, doch wem die Entscheidung zum "töten" jemals leichter fallen sollte, hat wohl im Tierschutz wenig verloren.
Tränen des Glücks und Tränen der Trauer sind und bleiben immer Bestandteil unserer Arbeit.

Franklin bei ihrem letzten "Ausflug"